|
|
|
Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
So können wir uns auch Gottes Werkstatt vorstellen. Er sieht uns, wie wir sind. Aber nicht nur das, er hat auch eine Vorstellung davon, was aus uns werden kann. Er liebt uns so, dass er sich mit uns beschäftigt, uns von allen Seiten betrachtet, unsere Eigenheiten wahrnimmt und das Beste aus uns herauslockt. Dabei sind wir ja nicht wehrloses Holz in seiner Hand, sondern lebendig, fähig zum Widerspruch, aber auch zur Kooperation. In unserer Gemeinde haben wir solch einen Holzkünstler. Er arbeitet aus Holzklötzen sehr ausdrucksstarke Figuren heraus. Auch unsere Weihnachts-Krippenfiguren sind in seiner Werkstatt entstanden. Wer sich einen Hirten genauer anschaut, kann auf den Künstler schließen, mit viel Liebe ist er ausgestaltet, sodass man das Leben in ihm spüren kann. Der 1.Johannesbrief will das seinen Leserinnen und Lesern nahebringen. Gott ist Liebe, nicht ein abstraktes Prinzip und nicht „Rote Rosen“, sondern abzulesen an seinem Umgang mit uns und wie er uns beeinflusst. Schauen wir in die Bibel, so können wir seine Mühe mit uns Menschen schon auf den ersten Seiten entdecken. Er umsorgte Adam und Eva, das erste exemplarische Menschenpaar im Garten Eden. Er ließ sie nicht schutzlos in die Fremde gehen, nachdem sie sich selbst ums Paradies gebracht hatten. Später liebte er einen Menschen heraus und begann mit ihm die Geschichte mit seinem Volk Israel, eine Geschichte voller Steine, Widerworte, Katastrophen und Neuanfänge aus Liebe. Und schließlich kam Gott selbst zu seinen Menschen, er wollte mit seinem Sohn Jesus handgreiflich werden lassen, wie seine Liebe immer noch galt, grenzenlos für die ganze Welt. Nun könnte jemand einwenden, dass diese Geschichte lange her ist, und wer weiß, ob sich das wirklich alles genauso zugetragen hatte. Ja, die Geschichte Gottes mit seinen Menschen muss sich in jedem Menschenleben neu abbilden. Niemand hat etwas davon, wenn Gott tausende Holzklötze liebevoll bearbeitet hatte, aber den eigenen links liegen lässt. Und so sind wir auch persönlich herausgefordert, die eigene Geschichte anzuschauen und darin Gottes Spuren zu erkennnen:
Geliebt
Doch im Vergleich mit einem Kind liegt auch ein ganz entlastender Aspekt. Das Kind trägt nicht die volle Verantwortung. „Eltern haften für ihre Kinder“, Gott haftet für uns, erwartet nicht, dass wir die Welt auf unseren Schultern tragen, sondern ihm das Tragen überlassen. Die „Welt“, so heißt es im 1.Johannesbrief, erkennt diese Liebesbeziehung nicht. Sie kennt den Vater nicht, sondern nur uns. Ein Rückschluss von uns auf unsere Elternhäuser ist ja auch nur bedingt möglich. Meine Eltern sind vor einigen Jahren gestorben. Wer mich heute kennenlernt, wird nicht erraten können, wie sie waren, wie sie mit mir umgegangen sind, wie weit ihre Liebe reichte. Ich muss schon von ihnen erzählen, damit sie jemand hinter meinem Leben entdecken kann. Wenn wir den Menschen außerhalb unseres Glaubensumfeldes Gott näher bringen wollen, ist ein Leben nach Gottes Willen sicher ein wichtiger Hinweis, aber er wird nicht reichen. Wir sollten auch erzählen von Gott, von unseren Glaubenserfahrungen, von unserem manchmal auch schmerzhaften Ringen um den roten Faden seiner Liebe. Entwicklung
Vor ein paar Wochen saß ich beim Friseur. Gerade war die Brücke in Genua eingestürzt. Die Friseurin neben mir erzählte, wie sie vor wenigen Tagen mehrmals über diese Brücke gefahren ist und schloss „da hat der liebe Gott wirklich auf uns aufgepasst“. Ich war sehr ergriffen, wie diese Frau hier im Friseursalon ein ehrlich gemeintes Zeugnis ihres Glaubens gab. Es war nicht einfach so dahingesagt. Doch schon wenige Augenblicke später rumorte es in mir: Was sagen die Angehörigen der Opfer, die von der Brücke erschlagen wurden? Hat der liebe Gott auf sie nicht aufgepasst? In dieser Zwiespältigkeit erleben wir Gott, für den einen eine Bewahrung, für die andere eine Katastrophe. Das zeigt uns, dass wir eben noch in der Holzwerkstatt sind, der Bildhauer ist noch nicht fertig mit uns. Wir können nur das Ungeklärte und Unerklärliche stehen lassen und hoffen, dass es in Gottes Ewigkeit aufgelöst wird. Beste Arbeitsbedingungen
Eine Lehrerin erzählte mir, dass an ihrer Schule neuerdings Elternabende veranstaltet werden, um Eltern mit dem Medienverhalten ihrer Kinder vertraut zu machen. Oft läuft deren Handy durch, sie bekommen nachts Nachrichten, reagieren, sind dann wach und morgens todmüde. So wirbt die Schule dafür, „Handygaragen“ einzuführen. Abends wird das Handy – auch das der Eltern – in die Handygarage gelegt und „schläft“ dort die Nacht über. Ich finde solch eine Garage echt nachahmenswert. Vielleicht nicht nur für Handys, sondern auch für Unerledigtes, Sorgen, Probleme, Kummer und Wut. Ganz zeichenhaft diese Gemütszustände in die Garage zu legen und Gott zu bitten, sich darum zu kümmern, kann zu einem ersten Schritt in die Ruhe führen. Aber nicht nur Orte helfen, Ruhe ins Leben zu bekommen, auch kraftschenkende Freundschaften und Menschen, die uns zuhören und verstehen, die für uns beten und uns ein Fenster zur Hoffnung aufschließen. Schon jetzt motiviert
Wie das geht – aus der Zuschauerrolle herauszukommen und uns selbst auf die Werkbank Gottes begeben. Nicht kommentieren, was Gott alles an anderen tun könnte, damit sie ihr Leben besser auf die Reihe bekommen, sondern selbst Gott fragen: Was ist bei mir dran? Was kann ich mit deiner Hilfe verändern? Wo willst du mir neue Lebensräume zeigen? Wo brauchst du mich in deiner Welt? Wir sind, solange wir leben, nicht perfekt und nicht fertig, aber auf dem Weg dahin. Gott hat uns lieb und will, dass wir heranwachsen und ihm die Ehre geben, indem wir sein Wesen in uns tragen und widerspiegeln. Cornelia
Trick
|