In der Liebe Gottes bleiben (Psalm 16)
Gottesdienst am 14.7.2019 in Brombach

Liebe Gemeinde,
wenn heute Abend wieder die einen Tatort und die anderen Herzkino im Fernsehen schauen, wird auf jeden Fall um 21.45 Uhr der Film zu Ende sein. Meistens stehen am Ende die Überführung des Mörders und das finale Zusammenkommen von zwei Menschen. Und immer bleibt in mir der Wunsch wach, nun die Fortsetzung zu sehen. Was wird aus dem Täter und den Hinterbliebenen des Opfers? Was wird aus dem Liebespaar? Wie leben sie fünf Jahre später?

Auch in unserem Leben gibt es ja diese 21.45 Uhr-Einschnitte: Ausbildungs-Ende, Hochzeit, Kinder kommen, Kinder gehen aus dem Haus, Ruhestand. 

Ein Einschnitt ist auch das Ja zu Jesus Christus, in unserer Kirche symbolisiert durch die Aufnahme in die Kirchengliedschaft und das Bekenntnis vor der Gemeinde, nun zu Jesus zu gehören. Doch wie geht es weiter? Was wird aus jemand, der Ja zu Jesus sagt? Wie steht er in fünf Jahren da?

John Wesley hatte die Fortsetzung eines Glaubensanfangs im Blick, als er Allgemeine Regeln für die ersten Gemeinden im England des 18. Jahrhunderts verfasste. Nach „Nichts Böses tun“ und „Gutes tun“ nannte er als dritten Punkt „In der Liebe Gottes bleiben“, wie es also mit Jesus weitergeht über 21.45 Uhr hinaus.

John Wesley gab verschiedene Anregungen dafür, wie die Liebe am Leben gehalten werden kann. Ich vergleiche es mit einem Ehe-Abend, den wir als Eheleute reserviert haben, um neben der Alltagsbewältigung auch einander nahe zu sein. Oder ein Mädels-Tag mit den besten Freundinnen, um einander auf Stand zu bringen und unterstützen zu können. 

Hier also die Hilfen für ein Leben mit Jesus auf Dauer, wie sie Wesley formulierte:

  • Gottesdienst
  • Gottes Wort
  • Gebet
  • Abendmahl.
Dem stelle ich Psalm 16 zur Seite, ein Vertrauenspsalm, den wahrscheinlich ein Levit im Dienste Gottes verfasste. Er hatte als Levit kein eigenes Land, sein „Land“ war der Tempel Gottes, in dem er Gott diente.

Psalm 16
Behüte mich, Gott! Denn bei dir suche ich Zuflucht. Ich sprach zum HERRN: »Mein Herr, du bist mein ganzes Glück. Nichts steht über dir.« 
Doch über die Scheinheiligen im Land, über sie und die Mächtigen sagte ich: »Nichts gefällt mir an ihrem Tun!« Zahlreich sind ihre Götterbilder, sie umwerben einen anderen Gott. Sie spenden Trankopfer von Blut. Doch ich will so etwas nicht darbringen. Und die Namen der Spender sollen nicht über meine Lippen kommen. Der HERR ist mein Erbteil am Land und mein Becher, der mir bestimmt ist. Du bist es, der mein Los festgelegt hat. Mein Los fiel auf ein schönes Land. Ja, ein solcher Erbteil gefällt mir gut. Ich preise den HERRN, der mich beraten hat. Selbst in den Nächten erinnert mich mein Gewissen an seine Weisungen. 
Der HERR steht mir immer vor Augen. Mit ihm an meiner Seite falle ich nicht. Darum ist mein Herz so fröhlich und meine Seele jubelt vor Freude. Selbst meinem Leib geht es gut. Ja, du gibst mich nicht dem Totenreich preis. Du lässt mich das Grab noch nicht sehen. Denn ich gehöre zu denen, die dir dienen. So zeigst du mir den Weg zum Leben.
Viel Freude finde ich in deiner Gegenwart und immerwährendes Glück an deiner Seite.

Der Gottesdienst
Behüte mich Gott! Denn bei dir suche ich Zuflucht.“

Ich stelle mir diesen Leviten im Alten Israel vor. Irgendwie scheint er in Schwierigkeiten geraten zu sein, vielleicht ist ihm auch die Herausforderung, die vor ihm liegt, zu groß. Jedenfalls sucht er im Tempel Zuflucht. Hier ist er sicher bei Gott. Mit der Jungschar spielen wir manchmal Fangen. Da gibt es eine Stelle im Gelände, die „Hola“ heißt. Wenn man diesen Punkt erreicht, kann man nicht gefangen werden, es ist eine Schutzzone – wie damals der Tempel. 

Wer Jesus seine Hand gegeben hat und mit ihm durchs Leben geht, braucht sichere Orte, ein „Hola“, wo er sich den Pfeilen des Lebens entziehen kann. Ein solcher Ort sollte der Gottesdienst ein. Er sollte Zuflucht bieten, vergewissern, dass Jesu Hand hält, dass er da ist und uns beschützt. 

Wir Verantwortliche sind hier gefragt. Tun wir alles dafür, dass jemand hier ankommen und aufatmen kann? Dass sie sich geborgen und sicher weiß? Dass er Gott begegnen kann?

Aber auch als Teilnehmende sind wir gefragt. Kommen wir in den Gottesdienst mit einer Erwartungshaltung so groß wie eine Brieftasche oder Clutch? Oder kommen wir mit einer Klappkiste, einem Umzugskarton, um möglichst viel mitzubringen und mitzunehmen? Haben wir unsere Ängste und Sorgen dabei, um sie abzuladen? Sind wir bereit, Impulse auf- und mitzunehmen? Schauen wir zu oder lassen wir uns von Gott aufs Spielfeld holen? 

Gottes Wort
Doch über die Scheinheiligen im Land sage ich: Zahlreich sind ihre Götterbilder – sie umwerben einen anderen Gott.

Im Radio höre ich manchmal Funkkolleg Religion. Da ging es vor zwei Wochen um Gott und die Götter. Ein Religionswissenschaftler wurde gefragt, welche modernen Götter er denn benennen würde. Natürlich begann er mit Fußball. Ja, da sind bei einem Fußballspiel im Stadion viele religiöse Momente auszumachen, Gesänge, der „heilige“ Rasen, der Zusammenhalt der „Fußballgemeinde“. Doch einen wesentlichen Punkt deckt Fußball nicht ab, eine Aussage über Zukunft und Ewigkeit. Also eher kein Religionsersatz, meinte der Wissenschaftler. Er nannte stattdessen das Thema Ernährung. Man bringt Opfer, indem man dies oder jenes isst oder eben nicht isst. Man begeht Sünde, wenn man bestimmte Speisen zu sich nimmt oder Mengen davon. Ein langes Leben, eine Art Ewigkeit, scheint bei richtiger Ernährung garantiert, und klar ist auch die Abgrenzung „Wir und die Anderen“. 

Wenn wir die Bibel hören, so wird die Zugehörigkeit zu Gott nicht durch bestimmte Handlungen oder Riten festgeschrieben, sondern durch Gottes Angebot, dass er uns liebt, dass er alles für uns tut und mit Jesus unserem Menschsein in einzigartiger Weise nahekommt. Gott handelt zuerst, er macht immer den ersten Schritt. Er nimmt mich in die Arme und gibt mir die Kraft, mein Leben neu auszurichten, auf ihn und auf seinen Willen hin. Ich muss mir seine Liebe nicht erarbeiten und kann seiner Liebe auch durch religiöse Riten nichts hinzufügen.

Wenn John Wesley Fasten und Verzicht als Maßnahmen nannte, um Gott nahe zu bleiben, dann nicht als Bedingung, dass Gott auch ja bei uns bleibt, sondern als Möglichkeit, leer gewordene Hände und Herzen von ihm füllen zu lassen. Denn wer Hunger hat, kommt lieber zum "Essen" und lässt sich von Gott sättigen.

Gebet
Der Herr steht mir immer vor Augen. Mit ihm an meiner Seite falle ich nicht.“

Gebet ist ein Vorrecht, wir haben eine Standleitung zu Gott, unabhängig vom Ort, an dem wir uns gerade befinden, und der Zeit, in der wir mit Gott reden wollen. Wir sind von keinem Funknetz oder Handy abhängig.

Wesley meint mit Gebet nicht nur das persönliche Gebet im stillen Kämmerlein oder im Auto, wenn wir allein durch die Gegend fahren und so richtig ungestört mit Gott in Kontakt sind, sondern er hatte auch das gemeinsame Gebet im Blick. Das ist für uns vielleicht ein neu zu hebender Schatz. 

Manchmal esse ich ein Brötchen bei einer Schnellimbiss-Firma. Da kann man einen bestimmten Brötchen-Typ wählen und dann die Auflagen bestimmen. Am Schluss ist das Brötchen ein Gesamtkunstwerk, individuell mit seinen Zutaten, doch als Ganzes verbunden zum Essen.

Mir kommt dieses Brötchen in den Sinn, wenn ich an das gemeinsame Gebet denke. Da beginnt Herr A mit einem Dank für das gute Gespräch mit seinem Vorgesetzten vor 2 Tagen. B bekräftigt den Dank. C fügt als neues Anliegen hinzu, dass Gott einem Bekannten in seiner Arbeitssituation beistehen möge, der hat es gerade schwer. D bekräftigt die Bitte und fügt an, dass er Gott auch in seiner Situation stärker erleben will. F bittet um ein besseres Verhältnis zu seinen Kollegen, er fühlt sich von ihnen ausgeschlossen. Und G bittet für F und dankt, dass Gott sich für F in der nächsten Woche einsetzen wird.

Eine solche Gebetsgemeinschaft ist nicht eine Aneinanderreihung von richtigen und wohlformulierten Gebeten, sondern ein Zufluchtsort, um die Liebe Gottes gegenseitig zuzusprechen und zu erfahren. Hier wird der Blick über das eigene Leben hinaus geweitet und bekommt Schärfe. Es geht nicht nur um mich, sondern um uns, wir sind füreinander da und bringen das vor Gott. Wir legen uns sozusagen die heilende Hand Gottes auf und lassen uns spüren, dass wir nicht allein sind.

Diese Art des Betens kann man üben, in vertrauten kleinen Gruppen, in der Familie, mit Freunden, in den Dienstgruppen. Es hilft, wenn wir eine vertrauensvolle Beziehung zueinander haben und uns nicht voreinander verstellen müssen. 

Jesus selbst verheißt sein Nahesein diesem miteinander Beten: „Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Matthäus 18,19-20)

Abendmahl
Viel Freude finde ich in deiner Gegenwart und immerwährendes Glück an deiner Seite.“

Darum geht es beim Abendmahl: Die Beziehung zu Gott wird aufgefrischt, wir können Lasten abgeben und Kraft aufnehmen. Wir werden mit Brot und Wein gestärkt, dürfen schon Festfreude erahnen, die im Himmel auf uns wartet. Wir feiern nicht allein, sondern in Gemeinschaft, wir werden von denen gebraucht, die neben uns stehen, und wir brauchen sie, um den Zuspruch Jesu leibhaftig zu hören. 

In der Liebe Gottes zu bleiben, beschreibt Psalm 16. Wir haben einen Zufluchtsort, hier im Gottesdienst ist ein Raum, in dem wir sicher sind. Alles hat Jesus für uns getan, er macht immer den ersten Schritt. Das steht in der Bibel. Beten können wir allein, aber auch in der Gemeinschaft. Damit werden wir Power vom Himmel erfahren und die Erde bewegen. Im Abendmahl wird uns Jesu spürbare Nähe angeboten. Er fasst uns an der Hand, er zeigt uns, wo wir gebraucht werden, er führt uns in die Zukunft.

In der Liebe Gottes zu bleiben, ist nicht schwer, wenn wir uns seiner Liebe in diesen verschiedenen Dimensionen aussetzen. Er gibt uns alles, was wir dafür brauchen.

Cornelia Trick


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