Heute ist spielentscheidend (Lukas 12,16-20,36-38,42-46)
Gottesdienst am 5.3.2017 in Brombach

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,
Die Bibel neu zu entdecken, ist das Thema dieser Passionszeit in unserer Gemeinde. Aschermittwoch sind wir mit Lukas 12 ins Thema eingestiegen, keine leichte Lektüre. Dieser Bibelabschnitt ist gut mit einer Patchworkdecke zu vergleichen. Viele verschiedene Stoffstücke werden zu einem Ganzen zusammengefügt. Heute werden wir eine Linie in diesem Patchworkmuster verfolgen, die uns hilft, diesen Tag und die vor uns liegende Woche zu gestalten. 

So fragen wir: Jesus, wozu willst du uns ermutigen?

Dazu hilft es, die in Kapitel 12 enthaltenen drei Gleichnisse anzuschauen und sie in Beziehung zu setzen. Vielleicht wird uns dadurch ein wunderschönes Panorama in den Blick gerückt, ähnlich wie das Bergmassiv von Eiger, Mönch und Jungfrau im Berner Oberland.

Der reiche Kornbauer

Lukas 12,16-21
Jesus erzählte ihnen dazu eine Geschichte:
»Ein reicher Grundbesitzer hatte eine besonders gute Ernte gehabt. 'Was soll ich jetzt tun?', überlegte er. 'Ich weiß gar nicht, wo ich das alles unterbringen soll! Ich hab's', sagte er, 'ich reiße meine Scheunen ab und baue größere! Dann kann ich das ganze Getreide und alle meine Vorräte dort unterbringen und kann zu mir selbst sagen: Gut gemacht! Jetzt bist du auf viele Jahre versorgt. Gönne dir Ruhe, iss und trink nach Herzenslust und genieße das Leben!'  Aber Gott sagte zu ihm: 'Du Narr, noch in dieser Nacht werde ich dein Leben von dir zurückfordern! Wem gehört dann dein Besitz?'« Und Jesus schloss: »So steht es mit allen, die für sich selber Besitz aufhäufen, aber bei Gott nichts besitzen.«

Jesus gibt hier eine Lebenserfahrung weiter. Der Reiche ist reich und bekommt noch mehr dazu. Gerade seine Felder tragen besonders gut. Die spannende Frage ist nun, was er mit seinem Reichtum machen wird und was uns das sagen soll. Auf der Hand liegen ja verschiedene Möglichkeiten, gerade, wenn wir sie in einer Kirche bedenken: Er könnte ein Dankgebet sprechen. Er könnte an die Tafel spenden. Er könnte eine Brotfabrik aufbauen und Arbeitsplätze schaffen. Doch diese Reaktionen sind unwahrscheinlich, denn der Bauer spricht von „meinen Vorräten“. Es ist seine Ernte, er ist niemand dankbar und niemand verantwortlich. Er sammelt ein und genießt für sich selbst. 

Doch wir hören die Stimme aus dem Off. Gott stellt den Bauern zur Rede. Was macht er mit seinem Reichtum, wenn er tot ist? Das letzte Hemd hat keine Taschen. Er hat nichts aus seinen Gütern gemacht und steht mit leeren Händen vor Gott.

Das Gleichnis spricht direkt zu uns. Was wir geschaffen haben, vielleicht auch mit harter Arbeit, sehen wir so gerne als unsere Leistung an, als unsere Sicherheit und unser Ruhepolster. Aber die Stimme aus dem Off sagt auch uns, wem wir das alles zu verdanken haben. Weil Gott uns Möglichkeiten und Gelingen, vielleicht auch eine unverdiente Erbschaft geschenkt hat, sollten wir verantwortlich damit umgehen und austeilen, wie auch Gott austeilt. Bei Gott Besitz haben,  bedeutet, wie er zu teilen und für andere da zu sein und uns nicht um uns selbst zu drehen.

Das Gleichnis beleuchtet die Spanne zwischen Heute und unserem Tod,  dem Ende unserer Lebenszeit auf der Erde. Für diese Lebensspanne hat Jesus noch ein drastischeres Gleichnis vom Herrn und seinem Verwalter bereit:

Das Gleichnis vom Herrn und seinem Verwalter

Lukas 12,42-46
Der Herr antwortete: »Wer ist denn wohl der treue und kluge Verwalter, dem sein Herr den Auftrag geben wird, die Dienerschaft zu beaufsichtigen und jedem pünktlich die Tagesration auszuteilen? Er darf sich freuen, wenn sein Herr zurückkehrt und ihn bei seiner Arbeit findet. Ich versichere euch: Sein Herr wird ihm die Verantwortung für alle seine Güter übertragen. Wenn er sich aber sagt: 'So bald kommt mein Herr nicht zurück', und anfängt, die Diener und Dienerinnen zu schlagen, üppig zu essen und sich zu betrinken, dann wird sein Herr an einem Tag und zu einer Stunde zurückkehren, wenn er überhaupt nicht damit rechnet. Er wird ihn in Stücke hauen und ihn dorthin bringen lassen, wo die Treulosen ihre Strafe verbüßen.

Zum Thema finden wir hier zwei Varianten. Ein Verwalter, man könnte auch sagen ein Abteilungsleiter, benimmt sich gegenüber seinen Mitarbeitenden, als ob es kein Morgen gibt. Er drangsaliert sie, setzt sie unter Druck und lässt es sich selbst hinter der geschlossenen Tür gut gehen. Als sein Chef überraschend früh von seiner Geschäftsreise zurückkehrt, ist der Abteilungsleiter schnell entlassen, ja, er wird sogar hochkant rausgeschmissen, ohne ein gutes Arbeitszeugnis zu bekommen. Die Bildsprache, die Jesus hier gebraucht, ist sogar noch drastischer, als wir es uns vorstellen können. In Stücke wird der Mann gerissen, angezeigt und ins Gefängnis geworfen.

Diesem Angestellten steht ein anderer gegenüber. Er sorgt gut für seine Mitarbeiter, sorgt sich um Pausen und gute Arbeitsbedingungen, hat ihr Wohl im Blick. Zufriedene Mitarbeitende bringen gute Ergebnisse. Der Chef kommt auch hier plötzlich hereingeschneit, sieht die zufriedenen Mitarbeitenden, wird in seinem Vertrauen zu seinem Abteilungsleiter bestärkt und erweitert sein Aufgabengebiet. 

Das Gleichnis verdeutlicht: Das Leben hier und heute ist spielentscheidend. Es ist nicht unwichtig, wie ich mich verhalte. Was mir anvertraut ist, nicht nur die materiellen Güter, sondern auch Menschen, dafür bin ich verantwortlich. In Liebe und Respekt habe ich Menschen zu begegnen, die von mir abhängig sind.

Ist Jesus nun der Chef, der uns am Ende der Zeiten zur Rede stellt? Sollen wir uns um andere kümmern, weil wir Angst vor Jesus haben? Weil wir fürchten, unser Engagement könnte nicht ausreichen, und wir werden in Stücke gerissen?

Auf diese Fragen antwortet Jesus mit einem dritten Gleichnis, das wir im 12.Kapitel des Lukasevangeliums finden. Es bringt Jesus zum Leuchten: So ist er, und so sollen wir ihn sehen.

Der Gutshof

Lukas 12,36-38
Seid wie Diener und Dienerinnen, die auf ihren Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist. Wenn er dann spät zurückkommt und an die Tür klopft, können sie ihm sofort aufmachen. Sie dürfen sich freuen, wenn der Herr sie bei seiner Ankunft wach und dienstbereit findet. Ich versichere euch: Er wird sich die Schürze umbinden, sie zu Tisch bitten und sie selber bedienen. Vielleicht kommt er erst um Mitternacht oder sogar noch später. Freude ohne Ende ist ihnen gewiss, wenn er sie dann wachend antrifft!

Einen großen Gutshof mit einigen Angestellten malt uns Jesus vor Augen. Der Gutsherr ist bei einer Hochzeit. Auf dem Hof ist Ruhe eingekehrt. Als natürliche Reaktion würden wir erwarten, dass sich die Angestellten nach getaner Arbeit in den Feierabend verabschieden, schlafen gehen und es ausnutzen, dass der Chef unterwegs ist. Doch diese Angestellten wirken eher wie Eltern, die auf ihren Teenager warten und aus Sorge um ihn nicht schlafen gehen. Oder wie ein Partner, der auf die Partnerin wartet, sich auf ihre Berichte vom Fest freut und ihr versichert, wie sehr er sie vermisst hat.

Das Bild Jesu wird noch intensiver. Nicht die Angestellten lassen Jesus das Badewasser ein, sondern der Gutsherr selbst stellt sich mit Schürze in die Küche und brät für seine Leute Speck mit Spiegeleiern. Er feiert mit seiner „Familie“ weiter.

Dieses Gleichnis bildet den Schlusspunkt und das Ausrufezeichen in der Reihe der drei Gleichnisse. Jesus ist nicht der Richter, der am Ende des Lebens die erreichte Punktzahl zusammenrechnet. Jesus hat stattdessen Sehnsucht, mit seinen Leuten eine Familie zu sein. Dass sie wachen und an Jesus dranbleiben, auch wenn er körperlich nicht da ist, ist kein Muss, sondern eine Folge der Beziehung.

Er will niemand aus dem Himmel rausschmeißen. Er will uns einladen, auf das richtige Pferd zu setzen. Wir brauchen nicht das Korn in unseren Scheunen horten, wir sollten nicht in den Tag leben und die Bedürfnisse unserer Mitmenschen ignorieren. Wir werden eingeladen, mit Jesus in Verbindung zu bleiben. Wachen steht für beten, reden mit ihm, seine Nähe suchen, ihn immer besser kennen lernen. 

Was wir von Jesus täglich geschenkt bekommen, können wir teilen: unser Geld, unsere Zeit, unseren Tisch, unsere Wohlfühlzone, unser Sofa und unsere Liebe. Mit denen, die uns am nächsten sind, sollten wir anfangen, aber dann muss es weitergehen, denn wir sind nicht nur für unsere Familien da, sondern Licht für die Welt. 

Und wir dürfen wissen: Jesus dient uns, nicht erst im Himmel. Er rechnet nicht gnadenlos ab mit uns, sondern ist der Gastgeber, der unseren Tisch reichlich deckt und uns mit Schürze bedient. Davon können wir abgeben.
Freude ohne Ende ist uns gewiss“, denn wir dürfen an Jesu Tisch sitzen.

Cornelia Trick


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