Gottvertrauen (5.Mose 6,4-9)
Gottesdienst am 22.06.2014 in Brombach

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,
ein Paar sucht eine Beratungsstelle auf. Der Beratende fragt: Was denken Sie, ist Ihrer Ehefrau, Ihrem Ehemann wichtig? Und stimmt das wirklich mit dem überein, was sie, er denkt? Das Ergebnis der Beratung ist, dass beide Phantasien über den anderen haben. Was den anderen beschäftigt, wissen sie nicht mehr, sie haben sich längst aus den Augen verloren. Die Beratung wird beide wieder miteinander ins Gespräch bringen. Über ihre innersten Gedanken, Gefühle und Nöte werden sie sich austauschen, um ihre Liebe und Nähe zueinander wieder wachsen zu lassen. So können ihre Wege wieder zueinander kommen.

Die Bibel vergleicht Gottes Verhältnis mit uns an manchen Stellen mit der Liebe des Mannes zu seiner Frau. Auch Jesus verglich sich mit einem Bräutigam, der seiner Braut entgegengeht. Dieses innige Vertrauensverhältnis lebt von Gottes Ja und unserer Antwort auf dieses Ja. Bleibt die Antwort aus, wird die Liebe einseitig, und man entfremdet sich. Die Signale Gottes werden nicht mehr erkannt, sie wirken wie eine unbekannte Sprache.

Das Volk Israel war in der Gefahr, sich von Gott zu entfremden. Während der 40-jährigen Wüstenwanderung hatten die Menschen Kontakt zur dort ansässigen Bevölkerung und lernten deren Wüstengottheiten kennen. Sie kamen ins Fragen. War der Gott Israels wirklich der wahre Gott, oder passten die neuen Götter nicht viel besser zu ihrem Leben in der Wüste? Sie brauchten eigentlich einen Gott zum Anfassen, der immer parat war, um auf ihre Bedürfnisse zu reagieren, und der keine Geduld von ihnen forderte.

So wundert es nicht, dass Gott dieses Volk durch Mose wachrüttelte, bevor sie ihn ganz verlassen hatten: Höre, Israel!

5.Mose 6,4-9

Höre, Israel! Der HERR ist unser Gott, der HERR und sonst keiner.  Darum liebt ihn von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit aller Kraft. Behaltet die Gebote im Gedächtnis, die ich euch heute verkünde! Prägt sie euren Kindern ein und sagt sie euch immer wieder vor – zu Hause und auf Reisen, wenn ihr euch schlafen legt und wenn ihr erwacht. Bindet sie euch zur ständigen Erinnerung an den Arm und auf die Stirn. Schreibt sie auf die Türpfosten eurer Häuser und auf die Tore eurer Städte.

Gott stellt sich vor. Er ist allein Gott. Er hatte in der Vergangenheit, beim Auszug aus Ägypten geholfen. Er ist ihnen in der Wüste mit Manna, Wachteln und Wasser immer nahe geblieben. Er hat versprochen, sie ans Ziel zu führen, und wird es auch tun. Durch diese Erfahrung sollten die Israeliten eigentlich eine sehr persönliche Beziehung zu Gott haben. Gott war für sie kein Lehrgebäude ohne praktische Anwendung.

Wie können wir Gott kennenlernen? Ich stelle mir Gott vor, wie er in einem prächtigen Gebäude mit vielen verschiedenen Zimmern wohnt. Wenn wir zu ihm kommen wollen, müssen wir durch die Eingangstür hineingehen. An dieser Eingangstür steht Jesus Christus . Er sagt von sich, dass er die Tür ist, die zum Vater führt. Ihm kommen wir durch das Lesen der biblischen Geschichten näher. Wie er Menschen in Not und Krankheit begegnete, wie er Geduld mit seinen Freunden hatte, die sehr begriffsstutzig waren und ihn immer wieder enttäuschten, wie er sich mit denen anlegte, die ihre Vorstellungen von Gott so festhielten, dass sie dabei Gott aus den Augen verloren. Vor dieser Tür ist Jesus mit einem Willkommensschild in der Hand. Hier werden wir erwartet und sind genau richtig.

Sind wir durch die Eingangstür in das Gebäude hinein gegangen, werden wir Interesse an unserem Gastgeber zeigen. Undenkbar, dass wir dort unser Notebook auspacken, uns in eine Ecke setzen und, ohne unseren Gastgeber eines Blickes zu würdigen, unser eigenes Ding drehen. Gott zu lieben bedeutet, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller Kraft in die Gemeinschaft mit Gott zu investieren, mit ihm zu reden, geistliche Themen zu bewegen, in seiner Nähe zu bleiben.

Wir werden auch seine Ziele unterstützen. Wenn es in 1.Timotheus 2,4 heißt: „Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“, wird es auch unser Wunsch sein, andere mit Jesus zusammenzubringen, ihnen die Tür zum Vater zu zeigen.

Aber nicht nur die Treue und Aktivität für ihn sind wichtig, sondern auch die Prägung unseres Charakters. Wir lassen uns von ihm verändern, wachsen in seine Richtung. Wir lernen, mutig für andere einzutreten, unseren Horizont zu weiten und mit seiner Unterstützung Neuland zu betreten und Früchte des Geistes, allen voran die Liebe, wachsen zu lassen.

Das Volk Israel war hin- und hergerissen. Sie hatten ein Problem, Gott treu zu bleiben. So wird besonderes Gewicht auf die Anleitung der Kinder gelegt. Der nächsten Generation sollen die Israeliten alles weitergeben, was sie mit Gott erlebten. So konnten die Kinder in den Glauben ihrer Eltern hineinwachsen. Stabile Bindung an Gott konnte vorbereitet werden. Wenn wir uns diesen Hinweis zu Herzen nehmen, wird deutlich: Es geht dabei nicht nur ums Geschichten-Erzählen und Kinderbibel-Vorlesen, sondern um einen transparenten Lebensstil. Erfahrungen werden Kinder selbst machen, aber sie werden sensibel für Gottes Wirken durch das, was sie bei den Eltern sehen. Wir wissen aus der Forschung, dass die ersten Lebensjahre entscheidend für die Bindungsfähigkeit eines Menschen sind. Lernen sie Urvertrauen, wird es ihnen leichter fallen, Bindungen zu anderen einzugehen und liebesfähig zu werden.

So geht es nicht allein um Kinder und Eltern, sondern auch um Menschen, die gerade mit Gott angefangen haben. Unsere Verantwortung als Gemeinde ist es, jungen Christen die Liebe Gottes nahezubringen und sie in der Gemeinde Liebe Gottes lernen zu lassen. Was leben wir ihnen hier vor? Wie ehrlich gehen wir auch mit unseren Zweifeln und Abgründen um? Sind wir bereit, Bindungen einzugehen, uns immer wieder auch infrage stellen zu lassen und da zu sein, wenn die Jungen uns brauchen?

Ist die Beziehung zu Gott intakt, die Tür Jesus offen, dann entsteht eine feste Bindung, andere Götter oder Verbindlichkeiten haben keine Chance mehr, das Herz gefangen zu nehmen.

Die Israeliten sollten sich ein Zeichen auf der Hand machen, um an Gott erinnert zu werden. Bei allem, was sie taten, sollten sie kurz fragen: Was würde Gott Freude machen? Was stärkt unsere Beziehung, und was schadet ihr? Ein Zeichen auf unserer Hand wäre eine interessante Aktion. Was haben unsere täglichen Handgriffe mit Gott zu tun? Spielt er in unserem Alltag eine Rolle?

Die Israeliten sollten sich auch ein Zeichen zwischen die Augen machen, eine Erinnerung anbringen, um mit Gott in Kontakt zu bleiben. Manche hängen sich eine Spruchkarte an die Wand oder stellen sie an eine Stelle, auf die sie oft schauen. Manche haben ein Lesezeichen in ihrem Buch, dass sie an Gott erinnert. Und auch ein Kreuz an der Wand oder als Schmuck ist eine solche Gedächtnisstütze, um dran zu bleiben. Erwähnt wird noch die Außenanlage des Hauses, wohl in Israels Situation als wandernde Nomaden in der Wüste eher Zukunftsmusik. Gemeint ist, dass man, wann immer man sein sicheres Zuhause verlässt, weiß, man ist nicht allein, gesegnet und in Gottes Mission unterwegs.

Das „Höre, Israel“ ist das Glaubensbekenntnis des Volkes Israel. Hier bekennen sie sich zu Gott, der erfahrbar ist, das Beste will und dazu herausfordert, ihm auf seine Liebe zu antworten. Wir können dieses Glaubensbekenntnis nachsprechen, weil wir durch Jesus den Zugang zum Vaterhaus haben und ihn kennenlernen dürfen.

Gott zu lieben und ihm zu vertrauen gleicht dem Herausschwimmen aufs Meer. An einer strömungsreichen Stelle ist ein Hinweisschild angebracht: „Wenn die Strömung Sie erfasst, wehren Sie sich nicht gegen den Strom. Die Strömung bringt Sie zurück zum Ufer.“ Gott zu vertrauen, bewährt sich besonders in strömungsreichen Zeiten. Unsere Pläne und geraden Wege führen uns da nicht unbedingt ans sichere Ufer. Es ist nur unnötiger Kraftaufwand und nicht zielführend. Besser ist, sich Gott anzuvertrauen, der trägt und führt, der das Beste für uns im Sinn hat. Er führt auch über Umwege ans Ziel, in die Gemeinschaft mit ihm, die bis in die Ewigkeit reicht. Dort wird seine Liebe zu uns vollkommen sein, weil wir ohne Wenn und Aber mit ihm verbunden sein werden.

Psalm 131,1-3
HERR! Ich denke nicht zu hoch von mir,
ich schaue auf niemand herab.
Ich frage nicht nach weit gesteckten Zielen,
die unerreichbar für mich sind.
Nein, still und ruhig ist mein Herz,
so wie ein sattes Kind im Arm der Mutter –
still wie ein solches Kind bin ich geworden.
Volk Israel, vertrau dem HERRN
von jetzt an und für alle Zukunft! Amen.

Cornelia Trick


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