Gott mehr gehorchen
Gottesdienst am 14.06.2009

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,
vom 30. Mai bis 18. Juni fährt ein Bus durch Deutschland mit der Aufschrift „Es gibt – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – keinen Gott“. Um diesen Bus, der am vergangenen Montag auch Frankfurt angefahren hat, gab es schon im Vorfeld heftige Auseinandersetzungen. Geplant war die Kampagne auf öffentlichen Bussen, doch verschiedene Busgesellschaften verweigerten die Werbung. So wurde aus der Kampagne, die in anderen Ländern ausgehend von England bereits erfolgreich durchgeführt wurde, nur ein Bus übrig. Viele von uns haben dieses Geschehen in den Nachrichten verfolgt. Und Hand aufs Herz, was haben wir dabei gedacht? Dass sich die Kampagne sowieso totläuft? Dass wir mit unseren wenigen Möglichkeiten nicht gefragt sind zu reagieren? Schließlich sitzen wir nicht an den Schalthebeln der Verkehrsbetriebe. Dass die Atheisten auch ein Recht zur Meinungsäußerung haben? Sicher alles berechtigte Überlegungen. Doch sie lassen uns auf der Zuschauerbank. Sie fordern uns nicht heraus zum Bekennen und Handeln. Sie schläfern uns fast ein: „Lass sie doch, wir haben andere Probleme…“. Umso überraschter war ich, als ich von der Organisation Campus für Christus erfuhr, die mit dem Atheismusbus einen Bus mit eigener Aufschrift auf Deutschlandtour schickte. Der Bus trägt die Aufschrift: „Und wenn es ihn doch gibt…“. Campus für Christus will mit diesem Bus Gesprächsbereitschaft zeigen, nicht stören oder die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sondern schlicht hinweisen auf den Glauben.

Mich riss diese Nachricht richtig aus dem Sessel. Da hat eine Organisation, die ausschließlich von Spenden lebt und nicht für überfließenden Reichtum bekannt ist, Geld und Zeit in die Hand genommen, um von der Zuschauerbank direkt aufs Spielfeld zu fahren und sich den Menschen zu stellen, die von sich behaupten, ohne Gott glücklich zu sein. Ihren pfingstlichen Auftrag, Gottes Rettung allen Menschen zu bringen, haben sie ernstgenommen. Sie haben Kraft, Phantasie und Geld eingesetzt, um ein Zeichen zu setzen. Und natürlich haben sie auch uns in Frage gestellt: Warum sind wir nicht auf die Idee gekommen? Warum haben wir uns nicht mehr gekümmert? War es Desinteresse, Faulheit oder Resignation?

Die Aktion erinnert an die Anfänge der christlichen Gemeinde in Jerusalem. Gerade die ersten Wochen und Monate der Urgemeinde zeigen ein gewaltiges Wirken des Heiligen Geistes. Da lesen wir in der Apostelgeschichte von Tausenden, die zum Glauben an Jesus kamen und sich taufen ließen. Ein über 40 Jahre lang gelähmter Mann wurde in aller Öffentlichkeit vor der Schönen Pforte geheilt und konnte wieder umherspringen. Daraufhin machten sich ganze Pilgerzüge Kranker und von bösen Mächten Besessener auf, um zu den Aposteln in den Tempel zu kommen. Es wird sogar berichtet, dass der Schatten des Petrus ausreichte, um jemand zu heilen. Und wie in einem Schlusswort wird festgestellt: Alle wurden geheilt, und die Zahl der Gläubigen wuchs stetig. Nach Pfingsten wirkte der Heilige Geist in maximaler Öffentlichkeit. Alle sollten Gottes Segen erfahren und entdecken können.

Das Wirken des Geistes rief Gegner auf den Plan. Die führenden Geistlichen waren eifersüchtig, so berichtet die Apostelgeschichte. Es ging ihnen offensichtlich nicht um Lehrfragen, sondern um die Macht. Die Apostel hatten die Jerusalemer hinter sich, den Geistlichen drohte Machtverlust. Kein Wunder, dass sie sich wehrten. Wer verzichtet schon freiwillig auf seine Privilegien. So ließen sie diesmal alle Apostel gefangen nehmen und ins Gefängnis werfen. 

An dieser Stelle berichtet die Apostelgeschichte von einer entscheidenden Maßnahme Gottes. Er schickte den „Engel des Herrn“. Dieser Engel wird in der Bibel dort erwähnt, wo er als Spezialist in Sachen Rettung des Volkes Israel aus höchster Not auftritt. Zum Beispiel schickte Gott ihn, als das Volk Israel am Roten Meer auf der Flucht vor den Ägyptern war. Der Engel des Herrn stellte sich zwischen Ägypten und Israel. Der Engel des Herrn stellte sich Bileam in den Weg, der dabei war, das Volk Israel zu verfluchen. Statt Fluch sprach er daraufhin Segen über das Volk. Der Engel des Herrn suchte den todessehnsüchtigen Propheten Elia auf, um ihn wieder aufzurichten und für seine Mission zu stärken. Und auch hier hat der Engel des Herrn einen lebensrettenden Auftrag. Er soll die Apostel aus dem Gefängnis befreien und ihnen sagen, was sie als nächstes zu tun haben: Sie sollen wieder in den Tempel gehen und dort „Worte des Lebens“ verkünden. Der Engel des Herrn schickte die Apostel also in die Höhle des Löwen. Es ging nicht darum, die Apostel vor Gewalt zu schützen, sondern ihr Martyrium aufzuschieben. Vorher sollten sie Israel die Chance zur Umkehr eröffnen. Der Spezialist in Sachen Rettung schickte die Apostel los, um genau die zu retten, die sich beharrlich gegen Jesus wehrten.

Die Apostel gehorchten. Sie hätten auch brav im Gefängnis sitzen bleiben können. Sie hätten jammern können über das Unglück, das über sie hereingebrochen ist. Aber sie gehorchten, ließen sich herausführen und nahmen den Auftrag an, obwohl sie wissen konnten, dass sie dadurch nur in noch größere Schwierigkeiten kommen würden. Und so geschah es auch. Sie wurden erneut vor den Hohen Rat zitiert, nachdem sie von morgens an unbekümmert im Tempel gepredigt hatten. Die Anklage lautete: Aufruf zum Aufstand und Aufruf zur Rache für die Mörder Jesu.

Apostelgeschichte 5,27-33

Und sie brachten sie und stellten sie vor den Hohen Rat. Und der Hohepriester fragte sie und sprach: Haben wir euch nicht streng geboten, in diesem Namen nicht zu lehren? Und seht, ihr habt Jerusalem erfüllt mit eurer Lehre und wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen. Petrus aber und die Apostel antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Der Gott unsrer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr an das Holz gehängt und getötet habt. Den hat Gott  durch seine rechte Hand erhöht zum Fürsten und Heiland, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben. Und  wir sind Zeugen dieses Geschehens und mit uns der heilige Geist, den Gott denen gegeben hat, die ihm gehorchen. Als sie das hörten, ging's ihnen durchs Herz, und sie wollten sie töten.

Die Apostel antworten auf die Anklage des Hohen Rates mit drei Feststellungen:

  • Was Gott ihnen aufträgt, das tun sie, egal was Menschen davon halten.
  • Der Vorwurf, das Blut Jesu über die Stadt zu bringen, stimmt. Aber es ist das Blut der Versöhnung, mit dem Gott alle Schuld vergeben will.
  • Gott ist bereit zu vergeben, wenn die Einflussreichen nur wollen.
Nun wird auch klar, warum Jerusalem zu dieser Zeit eine solche Fülle an Segnungen erlebt. Es sind Gottes Zeichen der Versöhnung, Zeichen seiner Liebe, mit der er die gewinnen will, die ihn nicht verstehen können und wollen. Der Umkehrruf Jesu gilt gerade auch dem Hohenpriester, den Pharisäern und Schriftgelehrten. Es ist noch nicht zu spät. 

Es wird berichtet, wie es dem Hohen Rat mit seinen 72 Mitgliedern durch´s Herz ging. Genau so ging es den Menschen durch´s Herz, die die erste Pfingstpredigt des Petrus angehört hatten. Sie fragten daraufhin „Was sollen wir tun?“ und ließen sich taufen. Hier nun lesen wir von einer anderen Reaktion. Es ging ihnen durch´s Herz und sie wollten die Apostel töten. Die Predigt berührte sie im Innersten, aber sie lehnten ab, verweigerten sich Gottes offenen Armen. Wie es mit einem von ihnen weitergegangen ist, lesen wir dann später in der Apostelgeschichte. Gott gab sich mit seiner Ablehnung nicht zufrieden, sondern rief ihn erneut, und aus Saulus wurde Paulus. Doch hier können wir diese Entwicklung noch nicht ahnen. Wir hören nur die eindrücklichen Worte „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“

Was wollte Gott von ihnen? Dass sie Gottes Gnade anboten, seine Bereitschaft zur Versöhnung bekannt machten. Dass sie wieder und wieder warben, in Jesus Gottes Sohn zu erkennen, der Rettung bedeutete. Sie setzten um, was im 1.Timotheusbrief 2,4 als Gottes Wille formuliert ist:
Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“

Gott gehorsam zu sein beginnt mit Glauben. Es ist dieser persönliche Zugang, der uns in ganz große Nähe zu Jesus Christus bringt. Es ist die Gewissheit, dass uns nichts von ihm trennen kann. Eine alte Dame beschrieb es letzte Woche in einem Gespräch so: „Ich weiß nicht, was mich einmal bei Gott erwartet. Ich ahne, dass ich viel verkehrt gemacht habe, was Gott nicht gefallen hat. Aber ich bin sicher, dass Jesus als mein Anwalt neben mir steht und mich aus der Anklage herauspauken wird. Er wird sagen: Ich habe für diese Frau alles schon bezahlt und abgegolten. Ihr Konto ist leer, sie ist frei.“ Dieser Glaube lässt unabhängig werden und er zentriert das Leben auf Gott. Ich muss nicht bis zur Gerichtsverhandlung in Ewigkeit warten, ich kann jetzt schon Einfluss darauf nehmen, indem ich Jesus mein Leben mitbestimmen lasse und mich ihm immer mehr anpasse.

Gott gehorsam zu sein setzt in Bewegung. Campus für Christus hat einen Bus drei Wochen gemietet, beschriftet und fährt mit ihm durch die Republik. Die Campus-Leute hätten auch in ihrer Zentrale in Gießen bleiben können, um da mit allen Christen zusammen über das Elend in der Welt zu sinnieren. Aber sie haben sich durch den Heiligen Geist in Bewegung setzen lassen und eine phantasievolle Antwort auf die atheistische Provokation gefunden. Ich frage mich, wie wir uns durch unser Leben mit Jesus in Bewegung setzen lassen. Beten wir konkret darum? Wollen wir es, oder fürchten wir uns davor? Trauen wir dem Heiligen Geist zu, dass er uns Stärke gibt, um Menschen zu retten?

Gott zu gehorchen erfordert Mut. Da geht es um gegen den Strom Schwimmen, um Ablehnung Aushalten, um Auseinandersetzung und manchmal auch Trennung. Ich erinnere mich an ein Gespräch im Vorfeld von ProChrist. ProChrist-PlakateJemand erzählte mir, wie sie in ihrer Firma ein Plakat für ProChrist aufgehängt hat. Der Chef sah es und äußerte sich sehr abfällig darüber. Es war hart für die Frau, in dieser Frage nicht „best friend“ mit dem Chef zu bleiben, sondern Störenfried zu werden. Es war auf der anderen Seite auch eine wichtige Erfahrung für sie. Sie spürte das Bedürfnis, genau diesen Chef mit Gott in Verbindung zu bringen und ihm die Brücke zu zeigen, die sein ganzes Leben verändern konnte.

Gott zu gehorchen, bedeutet Verzicht. Wenn ich Gottes Willen an erste Stelle setze, dann heißt das, ich frage in allem zuerst, was Er will. Was hat er mit mir konkret vor? Wie kann ich am besten für ihn da sein? Welche Charaktereigenschaften stehen ihm im Weg, und an welchen muss ich arbeiten? Welchen Beitrag kann ich für die Gemeinde bringen, in der er sich mit seiner ganzen Fülle zeigt? Diese Fragen sind die wichtigsten überhaupt. Aber ich stelle sie mir oft erst, nachdem ich alle anderen Lebensthemen gewälzt habe. Hier heißt es umzudenken. Gott mehr zu gehorchen, bedeutet auch, ihn vor den Fragen nach Geld, Beziehungen, Beruf zu berücksichtigen. Und daran zu glauben, dass er sich dann auch um die Dinge kümmern wird, die mein Leben eben auch ausmachen.

Die Apostel haben erfahren, dass Gott sie nicht allein gelassen hat. Sie mussten zwar Auspeitschungen ertragen, sie wurden mit dem Tod bedroht und mussten auch als Märtyrer sterben, aber sie waren gehalten von Gott und wussten, dass er sie auch im Sterben für ihn nicht allein ließ. So wird von Stephanus berichtet, wie er im Sterben den offenen Himmel sah:
Er aber, voll heiligen Geistes, sah auf zum Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus stehen zur Rechten Gottes und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. (Apostelgeschichte 7,55-56)

Cornelia Trick


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